Liebe ist …

Was es heißt, dass Gott bedingungslos liebt, kapiere ich in diesem Moment: Ich schlage ein total bewegendes Jugendbuch zu. Es geht um die Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen. „Wow, ich muss Tobi anrufen“, denke ich.

An Tobis 16. Geburtstag haben wir uns versprochen: „Wir sind Freunde für immer“. Leider ist uns das Leben dazwischen gekommen. Trotzdem denke ich plötzlich an damals. Es ist nicht leicht, ein Teenager zu sein. Das Leben ist hart. Und die Eltern verstehen das nicht.

Klar wollte meine Mutter mir beistehen. Aber während sie gegrübelt hat „Was ist los?“, habe ich bei Tobi geheult. Während sie gepredigt hat: „Pass auf dich auf“, hat er mich sicher nach Hause gebracht. Alles, was Mama mir gesagt hat, habe ich bei ihm auch wirklich gehört: „Hör nicht auf andere! Ich finde dich gut, so wie du bist.“

So ist Liebe. Richtig echte Liebe. Jetzt ist mir klar: Genauso liebt Gott. Wie ein Freund. Er findet mich gut, egal was ist. So lieben auch viele Eltern ihre Kinder: Bedingungslos. Vielleicht sagt Jesus deswegen: „Werdet wie Kinder. Und kommt zu mir.“

Für Eltern ist das oft hart. Für Gott bestimmt auch. Mit offenen Armen dazustehen – „Komm‘ zu mir“ – und es passiert scheinbar nichts. Aber die Sehnsucht nach dieser bedingungslosen Liebe ist in jedem Menschen da. Auch, wenn Kinder das nicht immer zeigen.

Das innere Kind bleibt ein Leben lang lebendig. Ich kann versuchen, es zu erziehen. Ihm erwachsene Kleidung anzuziehen. Aber es wird immer nach der Liebe rufen, die so ist wie die einer Mutter. Oder eines Vaters. Oder eines Freundes.

„Hallo Tobi“, schreibe ich nach 16 Jahren Freundschaftspause. „können wir uns treffen?“ Ich sende die Mail und denke: „Erinnert er sich noch an mich?“

Seine Antwort kommt sofort: „Klar. Wir sind doch Freunde für immer.“

Ich glaube, so ist es auch mit Gott. Er wird nie aufhören, da zu sein. Zu warten. Und zu lieben. Bedingungslos.