Was es bedeutet, Geistliche zu sein

Geistliche zu sein, bedeutet, auf einer Schwelle zu stehen. Zwischen zwei Räumen an der Tür. Im Wohnzimmer von Menschen auf dem Weg zum Bestattungsinstitut. Im Vorzimmer der Intensivstation. Zwischen dem, was noch nicht ist, aber was schon da ist. Es bedeutet, dass einem nichts selbst gehört. Nicht die Worte, die man spricht. Nicht die Wirkung, die sie haben. Es bedeutet, Platz zu machen. Beiseite zu treten. Für etwas, das durch will. Berühren. Es bedeutet, eine Kerze anzuzünden. Es bedeutet, zu sagen: „Christus spricht …“. Und es bedeutet, ihn sprechen zu lassen. Nicht sich selbst. Es bedeutet, die Tür zu öffnen für die enorme Kraft des Rituals. Es bedeutet, dass einen Menschen nicht mehr erkennen, wenn sie einem irgendwann wieder begegnen. Wenn wieder alles gut ist. Denn es war eine Begegnung auf der Schwelle.