Tag #14 – Gott auf der Bildfläche

Ich lag in schweren Banden,
du kommst und machst mich los;
ich stand in Spott und Schanden,
du kommst und machst mich groß

Diese Worte stammen aus einem Weihnachtslied: „Wie soll ich dich empfangen“, von Paul Gerhardt.

Es gibt kaum Worte im evangelischen Gesangbuch, die mich mehr berühren. Für mich sind sie der Spiegel einer Biografie: Das Leben eines Menschen, das gebunden ist durch Grenzen und Beschränkungen. Für manche Menschen bedeutet das, krank zu sein oder eine Behinderung zu haben. Manche Menschen fühlen sich gebunden durch Schuldgefühle. Oder sie sind gebunden an Menschen, die ihnen nicht gut tun.

Spott, Schande, Scham und Schadenfreude anderer: Auch das erfährt so gut wie jeder Mensch im Laufe eines Lebens. Nicht jeder Mensch meint es gut mit anderen. Nicht jeder Mensch hat die seelische Unbeschwertheit, andere so sein lassen zu dürfen, wie sie sind und freundlich mit Fehlern zu sein.

Es gibt viele Gründe und Anlässe, warum Menschen andere im Leben klein machen und klein halten.

Aber nichts hält wirklich in den winzigen Schubladen oder engen Horizonten, in die Menschen andere pressen wollen, wenn Gott auf der Bildfläche erscheint.