Tag #15 – Trost und Schmerz

Auf dem Campus der Universität Hamburg gibt es ein Wandbild an einem Fachbereichsgebäude, das „Jüdisches Leben im Grindelviertel“ heißt. Es erinnert an die Zerstörung des jüdischen Lebens zur Zeit des Nationalsozialismus.

Die Zeilen der Dichterin Nelly Sachs sind darauf zu lesen:

Wer von uns darf trösten? In der Tiefe des Hohlwegs
Zwischen Gestern und Morgen
Steht der Cherub
Malt mit seinen Flügeln die Blitze der Trauer
Seine Hände aber halten die Felsen auseinander
Von Gestern und Morgen
Wie die Ränder einer Wunde
Die offenbleiben soll
Die noch nicht heilen darf.
Nicht einschlafen lassen die Blitze der Trauer
Das Feld des Vergessens.
Wer von uns darf trösten?

Trost wird möglich, wenn Wunden nicht zugepflastert und vergessen werden. Wenn sie gesehen und beweint werden. Heilung wird nur möglich sein, wenn nicht neue Wunden zugefügt werden.

In diesem Jahr haben viele Menschen in Deutschland das Chanukka-Fest gefeiert.