Tag #17 – Life in Cities

In den Hamburger Deichtorhallen kann man sich gerade die Fotoausstellung des Fotografen und Künstlers Michael Wolf ansehen. Sie heißt „Life in Cities“.

Gesichter von Menschen, gedrückt an die kondensierenden Scheiben der überfüllten U-Bahn in Hongkong. Müde und resignierte Menschen in den Büros der Wolkenkratzer von Chicago in pixeliger Nahaufnahme. Die Bilder haben eine stumme Botschaft.

Ein Apfel auf einem Schreibtisch. Ein Hemd an einem Fensterrahmen. Eine Pflanze vor Beton. Menschliche Zeugnisse von Individualität in Tausenden von Wohneinheiten und Hunderten von Büros in einer chinesischen und einer amerikanischen Stadt. Sie sind wie eine Predigt.

An einer Wand der Ausstellung hängen Hunderte von Kleiderbügeln. Gebrauchsgegenstände, aber persönlich. In Hongkong werden sie für viele praktische Dinge des täglichen Lebens entfremdet. Verbogen in Tausenden Formen. Als Halter für Schirme. Als Träger für die Utensilien des Lebens. Sie  sind kleine Kunstwerke für sich.

Manche Bügel haben die Form einer Krone. Ich glaube, dass es ein chinesisches Schriftzeichen sein könnte.

Aber für mich sticht darin eine uralte Verheißung hervor. In diesen Tagen wird sie immer wieder erzählt. Sie handelt von einem König, der kommt und der das Leben verändern wird.

Dieser König hat eine solche Macht, dass er in der Lage ist, alle menschlichen Begrenzungen aufzuheben. Er ist so gerecht, dass keine menschlichen Verurteilungen für ihn zählen. Und auch keine Festlegungen auf eine Rolle oder einen Status. Er ist in der Lage, Frieden zu schaffen, in allem, was lebensfeindlich ist. In tiefer und existenzieller Not hat er Rat und Ruhe. In allem Chaos des Lebens schafft er Vertrauen und Sicherheit.

Vor ihm zählt nicht die Masse, sondern nur der einzelne Mensch.