Tag #23 – Über den Frieden im Leben

Die Losung für das Jahr 2019 sagt, dass Menschen Frieden im Leben machen sollen. Das korrespondiert mit dem Versprechen, das die Engel auf dem Feld von Bethlehem verkünden: Es wird Frieden auf Erden geben. Und zwar mit dem Nachsatz: „Bei den Menschen seines Wohlgefallens“.

Erwartetes „wohlgefälliges“ Verhalten löst bei mir Abneigung aus. So etwas kann Menschen extrem von sich selbst entfremden. Wenn Menschen nur so sein und sich nur so verhalten dürfen, wie anderen das gefällt, dann lernt die Seele, dass man „nicht richtig“ ist, „falsch“, schlimmstenfalls sogar „böse“.

In meinem Dienst als Seelsorgerin ist es ein großer Teil meiner Aufgabe, Menschen mit solchen Verletzungen der Seele Entlastung zu verschaffen und eine Ahnung davon zu geben, dass Gottes Liebe sehr viel weiter ist als die engen Grenzen, die Menschen einander setzen.

Da hat Martin Luther einen der größten Dienste für die Menschheit getan, wie ich finde. Er hat in der Bibel in der Theologie des Apostels Paulus gefunden, dass ein Mensch sich durch „wohlgefälliges“ Verhalten gar nicht richtig für Gott machen kann. Ein Mensch ist für Gott richtig, weil er ihn oder sie liebt. Einfach so. Ohne dass dafür etwas getan werden muss.

So verstehe ich dann auch die Botschaft der Engel vom Frieden auf Erden bei den Menschen, die Gott gefallen: Bei den Menschen, die Gott liebt.

Wenn diese Liebe erwidert wird, dann kann daraus auch etwas entstehen. Dann tun Menschen Dinge aus Liebe.

Ich glaube, dass das auch zum Frieden auf Erden beitragen kann, etwas aus Liebe zu tun.

Ich glaube auch, dass Menschen zuallererst Frieden mit sich selbst machen müssen, damit es Frieden in der Welt gibt. Und dazu gehört, sich die Freiheit zu nehmen, nicht immer wohlgefällig für andere zu sein. So wird der Weg frei, ein Mensch des Wohlgefallens Gottes zu sein.

Suche Frieden und jage ihm nach!
Psalm 34,15

(Jahreslosung 2019)