Tag #24 – Die Sprache des Respekts können alle verstehen

Es liegt heute Abend in der Luft: Die Heilige Nacht bewegt die ganze Welt.

In unserer Gemeinde wurden heute Weihnachtslieder aus der ganzen Welt gesungen. Die ganze Atmosphäre ist noch voll davon: In allen Ländern dieser Erde, gibt es Menschen, die die gleiche Sehnsucht haben. Und die gleiche Hoffnung. Ganz genau wie wir.

An vielen anderen Tagen im Jahr, hört sich das vielleicht kitschig an. Unrealistisch und leer. Aber wann, wenn nicht heute, dürfen wir davon sprechen. In allen Sprachen dieser Welt: Von Sehnsucht und von Hoffnung. Dass das wirklich wahr werden kann, dass es Frieden auf Erden gibt. Und im eigenen Leben.

Und dass alle Nationalitäten und Völker heute in ihrer eigenen Sprache davon sprechen, macht auch eine Ahnung davon: Das, was in der Nacht, als Jesus geboren wird, passiert, hat Spuren hinterlassen. Bis heute.

Wann, wenn nicht heute, dürfen Menschen einmal ganz emotional sein und sich dieses Gefühl von Sehnsucht nach Frieden erlauben?

Und wann, wenn nicht heute, dürfen Menschen sich das eingestehen: Noch gibt es diesen Frieden nicht. Es braucht noch etwas dafür.

Im eigenen Alltag sprechen Menschen nicht immer die gleiche Sprache und reden aneinander vorbei.

Und das sorgt oft für Unfrieden in Beziehungen. Streit, Konkurrenz, Neid. All das resultiert unter anderem daraus, dass Menschen eben nicht im Dialog stehen und miteinander sprechen. Dass es keine gute Kommunikation gibt. Dass man sich einfach nicht versteht. Und dadurch bleibt man sich manchmal auch fremd.

Und wenn wir schon dabei sind, uns solche Dinge, auch im persönlichen Rahmen, einzugestehen – im geschützten Raum, vor dem Angesicht Gottes – dann dürfen wir das auch mit einem weiteren Horizont tun. Mit dem Blick auf die Welt um uns herum.

So friedlich und schön das am Heiligen Abend ist, fremde Sprachen in den Weihnachtsliedern bei uns zu hören, so sehr ist dieses Fremde im Alltag für viele Menschen in Deutschland doch noch mit Skepsis belegt. Manchmal mit Angst. Manchmal auch mit Ablehnung.

Dass alles Fremde erst einmal auch ein bisschen Angst macht, ist etwas sehr Menschliches. Wenn ich etwas nicht kenne, dann kann ich es nicht immer einschätzen, ob es vielleicht bedrohlich für mich ist und ob ich damit umgehen kann.

Da gibt das Vertraute einfach Sicherheit.

Aber – und wann, wenn nicht heute – dürfen wir davon sprechen: Das ist als Christinnen und Christen unsere Aufgabe, dieses Angst zu überwinden und uns das Fremde vertraut zu machen.

Wenn ich Angst habe, dann scheue ich mich vor dem Dialog. Dann schotte ich mich ab. Und wenn ich nicht in Dialog treten kann, nicht mit meinem Gegenüber darüber sprechen kann, was ich nicht verstehe, dann kann es auch zu Feindseligkeit und Feindschaft kommen.

Das ist die Grundlage auch für Kriege und bewaffnete Auseinandersetzungen in der Welt. Und das ist die Grundlage für Streit und Aggressionen auch im eigenen Alltag.

Nicht immer sprechen alle dieselbe Sprache. Nicht immer kommen alle Menschen in einer Begegnung aus derselben Kultur. Und da gibt es sowohl internationale Kulturen als auch gesellschaftliche Kulturen. Oder auch familiäre Kulturen. Das kann überall unterschiedlich sein. Und das ist auch normal. So ist das Leben.

Nicht alle Menschen sind gleich. Und doch kann es etwas Verbindendes geben.

Die Menschen, die sich damals in dem Stall von Bethlehem begegnet sind, die waren auch alle unterschiedlich. Alle aus verschiedenen Kulturen.

Die Hirten aus dem sozial schwachen Milieu. Maria und Josef aus einer ganz anderen Region des Landes. Aber: Allesamt Juden. Wohlgemerkt: Menschen einer Religion, deren Angehörigen heute zu einem großen Prozentsatz immer noch Feindschaft in Deutschland entgegenschlägt. – Muss auch gesagt werden.

Und dann sind da noch die weisen Männer aus dem Morgenland an der Krippe. Aus der Region, aus der heute viele Menschen zu uns flüchten, mit einer ganz andere Religion, Sprache und Kultur.

Sie alle kommen da in dieser Nacht zusammen.

Und das, was all diese unterschiedlichen, fremden Menschen miteinander verbindet, ist dieses Kind in der Krippe. Ein Kind, von dem es heißt, dass Gott selbst mit ihm in diese Welt kommt. Und dass es damit wahr werden kann, dass Frieden unter den Menschen einziehen kann. Gott selbst verbindet Menschen miteinander.

Die Weihnachtslieder in den vielen verschiedenen Sprachen und aus unterschiedlichen Kulturen, die viele Menschen heute Abend hören, die geben auch eine Ahnung davon: Frieden auf Erden ist möglich.

Überall auf der Welt gibt es Menschen mit genau dieser Sehnsucht: Nach einem friedlichen Leben. Nach Frieden unter Menschen. In der ganzen Welt. Egal, welche Sprache, welche Religion und welche Kultur sie haben.

Und ich glaube daran, dass es möglich ist: Wenn Menschen in ihrem eigenen Leben anfangen, auf andere zuzugehen, den Dialog suchen und die Angst vor dem Fremden überwinden, dann ist das egal, welche Sprache man spricht. Liebe und Respekt können Menschen immer verstehen. Dafür braucht man nämlich gar nicht immer Worte.

Die Heilige Nacht bewegt die ganze Welt. Lassen wir auch uns davon bewegen. Heute Nacht. Und an allen Tagen danach.