Kirche in der vernetzten Welt – Digitale Kirche als Beziehungsnetz

Die Zukunft der Kirche ist digital. Das ist so sicher wie das Amen in derselben.

Warum ist das so? Gucken wir doch mal rein.

In den letzten Jahren bin ich ein bisschen herumgekommen und könnte einiges aus den Nähkästchen der evangelischen Gemeinden in Italien, Thüringen, Lübeck, San Francisco und New York erzählen.

Was haben die alle gemeinsam?

In meiner Beobachtung ist das im Wesentlichen vor allem die folgende Grundsituation:

Wenige Menschen evangelischen Glaubens, die oft mit den Kosten für Gebäude und Personal kämpfen müssen. Dabei müssen sie mehr und mehr entmutigt dabei zugucken, wie ihre Arbeit trotz großem Aufwand immer weniger Leute in die Kirche bringt.

Die digitale Kirche überwindet die lokalen Begrenzungen

Trotz allem hat Kirche einen Auftrag: Das Evangelium in die Welt zu bringen. (Mt 28,19f.)

Wie kann das angesichts dieser Umstände gehen?

„Gehet hin in alle Welt …“. Darin liegt bereits die Antwort: Das World Wide Web vernetzt Menschen weltweit miteinander. Genauso, wie das soziale Netz, das Menschen in der Kirche miteinander verbindet, auffängt und hält.

Egal, ob das Leute in einer volkskirchlichen Stadtgemeinde wie Lübeck sind, in Dorfgemeinden der entkirchlichten Regionen in den neuen Bundesländern oder deutschsprachige Christ*innen einer EKD-Gemeinde, die über große Flächen verstreut im Ausland wohnen: Alle sind angewiesen auf soziale Gemeinschaft, Vernetzung und auf die Kommunikation des Evangeliums.

Und nicht nur diese Menschen. Alle Menschen sind das. Ob sie Mitglied einer Gemeinde sind oder nicht.

Die digitale Kirche geht gemäß des Auftrags von Jesus Christus nach draußen in die Welt. Das Internet erschließt völlig neue Räume für die Vernetzung, Seelsorge und öffentliche Verkündigung.

Die Verbindung über Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat ermöglicht den direkten Draht zwischen Menschen. Es müssen keine Wege überwunden werden, es braucht keine Gebäude, und die Hemmschwelle für den Kontakt ist niedrig. Der Treffpunkt ist online. Die Gemeinde ist die Community, die allen offen steht.

Damit wird auch Nicht-Kirchenmitgliedern der Zugang zu Spiritualität erleichtert, die unter anderem in Online-Gebetsgemeinschaften wie #Twomplet geteilt werden kann. Auch Predigten und geistliche Impulse in verschiedenen Formen können digital in die Welt gebracht werden.

Die Möglichkeiten, das Netz auszubreiten und zu Menschenfischern zu werden, wie Jesus seinen Jünger*innen aufgetragen hat, sind riesig.

Die digitale Kirche ergänzt die Gemeinschaft vor Ort

Die Zukunft der Kirche ist digital. Aber die Kirche selbst kann nicht nur digital sein.

Das, was Kirche im Kern ausmacht, steht in der Bibel: Evangelium, Gemeinschaft, Brotbrechen und Gebet (Apg 2,42). Verkündigung, Gemeinschaft und Gebet kann man zeitweilig auch online teilen. Das Brotbrechen geht nur im echten Leben.

Nichts kann die persönliche Begegnung und den echten menschlichen Kontakt ersetzen. Aus diesem Grund sind wiederum die echten Gemeinschaften an realen Orten und wirklichen Räumen notwendig.

Gerade in Diaspora-Situationen und in neuen und fremden Heimaten braucht es realen Kontakt. Unter anderem auch, um die eigene Identität zu stärken, zusammen mit anderen, die mit mir Gemeinsamkeiten haben. Digitale Kirche kann dazu eine gute Ergänzung sein.

Das, was verbindet, ist das soziale Netz, der Glaube und das Evangelium. In Zeiten, in denen Gemeinden schrumpfen, Kirchen geschlossen werden und Tradition abbricht, müssen dafür neue Räume entstehen. Die #digitaleKirche macht sie auf.

Die Zukunft der Kirche ist digital. Amen. So ist es.