#5 Mal ehrlich: Die Wahrheit über Burnout

In einem Lied, in dem Samy Deluxe mitsingt, geht es darum, dass Leute ausbrennen, wenn sie nicht tun, was sie lieben.

Das ist die Wahrheit über das Burnout-Syndrom: Dass es zu Menschen kommt, die nur noch tun, was sie müssen.

Niemand muss sich dafür schämen, wenn den Körper die Kraft verlässt, die Tage grau werden und das Leben zur Last. Ich selbst habe das auch schon erlebt. Es ist aber auch kein Adelsschlag, wenn man unter Burnout leidet. Denn es ist ein Irrtum, zu glauben, dass Ausbrennen von zu viel Arbeit kommt. Und auch, dass die Quantität von Irgendwas-Machen einen Menschen aufwertet.

Es ist meistens nicht zu viel Arbeit, die einen Menschen erschöpft. Sondern Aufgaben, die keinen Sinn machen, machen Menschen leer.

Es ist die fehlende Resonanz. Ein unausgesprochenes „Dankeschön“. Immer wieder. Oder ein unterschlagenes: „Gut gemacht.“

Es sind oft Beziehungen, an denen ein lichterloh brennender Mensch sich abarbeitet. Oft zuerst mit dem Feuer der Begeisterung. Aber irgendwann wird man davon verzehrt, wenn da nichts ist, was dem Nahrung gibt.

Es ist aber auch die Fürsorge für sich selbst, die man sich versagt. Es ist die Selbstherrlichkeit, davon auszugehen, dass man alles am Besten kann. Es ist fehlendes Gottvertrauen. Und es ist Unbarmherzigkeit und Gnadenlosigkeit sich selbst gegenüber.

Bei diesem Menschenbild stelle ich mir Jesus vor, wie er verständnislos eine Augenbraue hochzieht. Der hat ja nun wirklich was über Selbstgerechtigkeit und Selbstliebe gesagt.

Das wahrhaft verheerende am Burnout-Syndrom ist aber, dass es in einem Selbstumgang wohnt, den eine ganze Generation geerbt hat.

Deswegen glaube ich, dass wir Menschen erlauben dürfen, zu tun, was sie lieben und nicht, was sie müssen.