Von der berühmtesten Geschichte der Welt

Die berühmteste Geschichte der Welt hat eine Bedeutung.

Die ganze Welt feiert heute Weihnachten. Weil eine wunderbare Nacht vor langer Zeit die Welt verändert hat. So wird es erzählt.

Man sagt: In dieser Nacht ist Gott auf die Welt gekommen und hat seinen Platz unter Menschen eingenommen.

Da ist er bis heute. Auch, wenn er vielleicht nicht immer ganz so viel Raum bekommt wie an diesem Tag.

Die berühmteste Geschichte der Welt erzählt: Auch Jesus hatte erst keinen richtigen Platz. Da war nur dieser Stall mit der Krippe.

Es gibt etwas, das die berühmteste Geschichte der Welt nicht erzählt: Wie sich Maria und Josef wohl gefühlt haben müssen, als für sie kein Platz war.

Ich kann die Worte der Weihnachtsgeschichte fast auswendig:

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war.

Die Worte sprechen sich fast wie Poesie. Fast wie ein Gebet. Aber was da drinsteckt, sind schwere Strapazen: Eine weite Reise. Zu Fuß. Mit einer schwangeren Frau. Durch von Soldaten besetzte Gebiete. In eine völlig andere Region des Landes.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.

Klingt poetisch. In Wirklichkeit ist es ein Zwang. Die Reise nach Bethlehem war nicht freiwillig. Und als sie dann da waren: An wie vielen Orten sind sie weggeschickt worden: Kein Platz. Das erzählt die Weihnachtsgeschichte nicht so ausführlich. Aber so muss es gewesen sein, wenn es keinen Raum in der Herberge gab. Nur den Stall.

Wie fühlt man sich da?

Manchmal gibt es nichts Wichtigeres im Leben, als einen Platz, wo man sein darf. Wo man sich sicher und geborgen fühlen darf.

Was ist das für ein Gefühl, keinen Raum zu bekommen für das, was man braucht? Nicht selbstverständlich einen Platz unter anderen Menschen zu haben, sondern sich den erkämpfen zu müssen. Eigenen Raum für Aufmerksamkeit. Eigenen Raum für Fürsorge. Eigenen Raum für Respekt vielleicht auch.

Was das für ein Gefühl ist, wenn die eigenen Bedürfnisse keinen Platz haben dürfen und unterdrückt werden müssen, das wissen manche hier vielleicht auch.

Maria und Josef sind vielleicht auch gar nicht so weit weg von uns. Für manche sogar ganz konkret.

In unserer Nachbarschaft wohnen auch Leute, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wie diesen Menschen in der Heiligen Nacht. Sie haben auch eine weite Reise gemacht. Zum Teil mit vielen Strapazen. Weil sie in ihrem Land vor Krieg und Verfolgung fliehen mussten. Auch diese Menschen sind bereits von Ort zu Ort geschickt worden: Kein Platz.

Stellen wir uns das mal vor: Manche von diesen Menschen mussten hier in Lübeck in Containern wohnen, weil es keinen anderen Raum gab. Keinen anderen Raum in der Herberge.

Die berühmteste Geschichte der Welt hat eine Bedeutung. Bis heute.

Manchmal ist es sehr wichtig, einen Platz im Leben zu haben. Auch für uns selbst. Jeder Mensch braucht Raum, um sich zu entwickeln. Um man selbst sein zu dürfen. Um Mensch sein zu dürfen.

Die berühmteste Geschichte der Welt erzählt davon, dass Gott in die Welt gekommen ist, um menschlich zu sein. Um ein Mensch zu sein. Und das erste, wovon erzählt wird, ist, dass auch er einen Platz braucht. Wie alle anderen Menschen auch. Und: Er bekommt diesen Platz. Und er greift Raum in der Welt.

Heute hat er Platz in den Herzen von vielen Menschen, die heute Weihnachten feiern. Stellt Euch vor: Die ganze Welt feiert heute Weihnachten.

Seit der Heiligen Nacht gibt es keinen Platz auf der Welt, wo Gott nicht ist. Er ist auch hier. Er passt sogar in den kleinen Raum in unserem Herzen.

Und wenn Gott da ist, dann ist der Raum offen. Für unsere Wünsche. Für unsere Sehnsüchte. Und für unsere Bedürfnisse. All dem, gibt Gott bei sich Raum.

Und auch wir dürfen anderen diesen Raum eröffnen. Weil wir Menschen sind. Aus Liebe.

Amen.