Tür#19 Träume

Manche werden das vielleicht naiv finden. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass Träume wahr werden können. Ich setze sogar noch einen oben drauf und sage dir: Du kannst deine Ziele im Leben nur verwirklichen, wenn du vorher von ihnen geträumt hat.

Der wahre Motor, der dich in deinem Leben antreibt – positiv wie negativ – sind deine Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte. All das, wovon du heimlich träumst. Wenn du dir das verbietest, wirst du immer diese offene Wunde spüren, die nur eine Lücke hinterlassen kann, wenn etwas Wesentliches fehlt. Du wirst rastlos im Leben genau davor weglaufen, wo du hinwillst. Du wirst mit großen Kraftanstrengungen vermeiden, was du wirklich brauchst. Denn du hast gelernt, dass du es sowieso nie bekommen wirst. Es sind ja nur Träume.

Folgst du hingegen deinen Träumen und Sehnsüchten, kannst du glücklich werden.

Die weisen Männer aus dem Morgenland sind vor sehr langer Zeit einem Stern am Himmel gefolgt. Am Ende hat er sie an das Ziel ihrer Vision geführt: Zur Quelle von Erlösung und Frieden.

Welches ist dein innerer Stern, der dich im Leben leitet? Worauf ist dein innerer Kompass ausgerichtet? Wo zieht es dich immer wieder unwillkürlich hin?

Ich glaube daran, dass deine Träume wahr werden können. Auch, wenn es noch so düster aussieht: Du kannst aus dieser Dunkelheit heraustreten, selbst wenn du es dir nicht vorstellen kannst. Dazu musst du dem Stern folgen, der dich leitet.

Ich habe einmal gelesen: Wenn du einen Traum hast = ein Ziel, das du verwirklichen möchtest, dann wirst du dahin kommen. Egal, auf welchen Umwegen. Du wirst  bewusst oder unbewusst mit anderen Menschen über das Thema ins Gespräch kommen, das dich im Innersten beschäftigt. Du wirst im Netz auf die entsprechenden Links klicken. Du wirst immer wieder an dem Geschäft vorbeigehen, wo du kaufen kannst, was du dir wünschst. Du wirst immer wieder die Nähe der Menschen suchen, nach denen du dich sehnst. Wenn du all das nicht unterdrückst, dann wirst du ziemlich schnell zu deinem Ziel der Träume kommen. Wenn nicht, wird es dich unter Umständen Jahre deines Lebens kosten. Manchmal Jahrzehnte. Manche Menschen verbieten es sich, bis sie sterben.

Follow the Star

Wenn du nun beschließt, deinem Stern zu folgen und deine Träume wahr werden zu lassen, dann musst du Folgendes tun:

1. Mache dir bewusst, wovon du träumst. Schieb es nicht weg aus deinen Gedanken. Tu es nicht ab, was du fühlst. Guck es dir genau an. Schreib es auf. Führe ein Tagebuch darüber.

2. Male dir deine Träume aus: Stelle dir möglichst konkret vor, wie es sein wird, wenn du am Ziel deiner Sehnsucht angekommen bist: Wie wird es dort aussehen? Wie wird es dort riechen? Was wirst du für Sachen anhaben? Wer wird mit dabei sein? Mache dir ein möglichst genaues Bild davon, wie es sein und sich anfühlen wird. So als sei es jetzt schon da.

3. Wenn du vor dir siehst, wo du hinwillst: Geh drauf zu. Schreibe Emails, frage Leute aus, networke und probiere aus. Recherchiere im Internet, besorg dir Fortbildungen, Geld und Qualifikationen, die es braucht.

4. Gib nicht auf. Der Weg aus dem Morgenland nach Bethlehem war extrem lang. Extrem beschwerlich. Extrem abenteuerlich.

5. Wenn du jetzt sagst: „Das geht nicht.“ Dann kann es daran liegen, dass es tatsächlich reale Hindernisse gibt. Wenn du zum Beispiel nicht mehr in dem Alter bist, in dem du noch studieren kannst, wenn du alleinerziehende Mutter von drei kleinen Kindern bist und einfach nicht in dein Traumland auswandern kannst: Mach dir klar, was der Kern deiner Sehnsucht ist: Worum geht es dir genau? Und dann fang an, etwas zu suchen, was so ähnlich ist. Etwas, das genau das hat, was du dir wünschst, und das in erreichbarer Nähe ist. Das heißt nicht, dass du dich nicht dafür strecken und dich bewegen musst.

Am Ziel

Mein Traum ist es immer gewesen, eines Tages mal Pastorin zu sein.

Ich komme aus einer Prekariatsfamilie. Ich gehöre zu den Menschen in Deutschland, die statistisch so gut wie keine Chance darauf haben, ein Studium abzuschließen. Danach hatte ich zigtausend Euro BAföG-Schulden. Ich zahle sie immer noch ab.

Als ich 25 Jahre alt war, hat mir jemand gesagt: „Du wirst niemals Pastorin werden.“ Nach Abschluss meines Studiums bekam mein ganzer Jahrgang so exorbitant schlechte Abschlussnoten, dass keine Kirche uns je einstellen könnte. Und auch kein anderer Arbeitgeber. Niemand hatte damals Geld, den theologischen Nachwuchs zu bezahlen. Ich kämpfte, bis ich trotz allem einen Ausbildungsplatz bekam.

Ich war nie ein Mensch, der linientreu und konform war, sondern bin immer meiner eigenen Überzeugung und meinen Sternen gefolgt. Einer meiner damaligen Ausbilder schrieb mir in ein Bewertungszeugnis das Todesurteil für jede:n Seelsorger:in: „Frau Scherf hat kein Fingerspitzengefühl für Menschen“. Ein anderer sagte mir „Ihre Karriere ist vorbei.“

Ich habe immer davon geträumt, in der Nordkirche – der Kirche, mit der ich mich aus ganzem Herzen identifiziere – arbeiten zu dürfen. Ich wollte das so sehr: Ich habe nachts im Schlaf in meinem Bett in Thüringen die S-Bahnstationen von Hamburg vor mir gesehen.

Ich wollte immer den Leuten davon erzählen, dass Gott jeden Menschen ausnahmslos liebt und immer wieder neue Chancen gibt.

Ich bin diesem Stern immer und immer wieder gefolgt. Mein Traum ist wahr geworden.

Auch dein Traum kann wahr werden. Folge dem Stern.

Siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an (Mt 2,9ff.)