Tür#22 How to love your neigbour

Sich selbst zu lieben, ist schon schwer. Den Nächsten zu lieben, auch. Nicht jeder Mensch kommt mit jedem zurecht. Bei Manchen Charakteren ist es wie Feuer und Wasser, bei anderen wie mit Ying und Yang. Und dann gibt es noch Typen von Leuten, die versauen es sich mit allen, egal mit wem. Aber: Du sollst ja alle lieben wie dich selbst. Oder den anderen zumindest sein lassen können, wie er oder sie ist, ohne dass du daran zugrunde gehst.

Es geht um die sogenannten schwierigen Menschen. Du springst vielleicht besonders auf bestimmte Typen von Leuten an, während andere sich nicht so daran stören. Um deine Nerven in der Krise zu schonen, hilft es, wenn du dir klar machst, was hinter dem „schwierigen“ Verhalten steckt.

Hier eine kleine Liste – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – mit Verhaltensweisen von Menschen, mit denen du vielleicht immer mal wieder ringst, plus Verständnishilfe: Was steckt dahinter und wie nervt es mich nicht zu Tode?

Arten von Nachbarn, ihre Macken und wie man sie trotzdem liebt

Wichtig ist mir an dieser Stelle, zu sagen: Das Folgende ist holzschnittartig. Es kann nur eine Hilfe sein, zu verstehen und eben gerade nicht zu verurteilen. Niemand ist immer lupenrein ein bestimmter Typ von Mensch. Und wir alle haben alles davon in uns. Meistens finden wir auch besonders die Eigenschaften in anderen nervig, die in uns selbst auch immer mal wieder an die Oberfläche wollen, die wir uns aber verbieten. Andere Verhaltensweisen von „schwierigen“ Menschen resultieren aus persönlichen Katastrophen und schmerzvollen Biografien. Egal wie „schwierig“ wir diese Menschen finden, sie verdienen immer zumindest einen respektvollen Blick. Und Macken haben wir alle. Auch du. Auch ich. In diesem Sinne ist die folgende Anleitung, den Nächsten zu lieben, zu verstehen.

1. Nörgeln

Für mich auf Platz 1 der häufig vorkommenden Verhaltensweisen in Kirchengemeinden. Mein Tipp: Guck dir die nörgelnde Person genau an und höre genau hin. Meistens steckt hinter der Nörgelei Angst. Angst davor, überfordert zu werden. Angst davor, etwas zu verlieren, was einem wichtig ist. Sehr oft auch die Angst davor, dem anderen nicht wichtig genug zu sein oder nicht gesehen zu werden.

Was du nicht tun solltest: Dagegen argumentieren. Das sorgt bei der nörgelnden Person meist noch für Verstärkung. Die Glaubenssätze: Ich bin nicht wichtig / Ich bin ohnmächtig / Ich kann mich nicht durchsetzen, werden bestätigt. Versuche lieber, Verständnis für das zu signalisieren, worum es wirklich geht. Wenn dein Gegenüber spürt, dass du ehrlich daran interessiert bist, Abhilfe für das Problem zu schaffen, auch wenn du es nicht perfekt lösen kannst, lösen sich meist zumindest die Spannungen.

Habe einen liebevollen Blick auf Menschen, die nörgeln.

2. Laut/cholerisch/wütend werden

Menschen, die schreien oder ohne Impulskontrolle alle Aggressionen herauslassen, fühlen sich ohnmächtig. Sie haben gelernt, dass ein solches Verhalten sie schützt. Sie machen anderen Angst, weil sie im Grunde selbst Angst haben. Hinter diesem aggressiven Menschen steht eigentlich das verletzte innere Kind, das versucht, sich groß zu machen.

Wie geht man mit so einem Menschen um? Die Frage dabei ist: Wie würdest du mit einem schreienden Kind umgehen, das schon rot anläuft vor lauter Wut?

Die Erzieherinnen, die ich in der Kita beobachtet habe, reden dann in einem sehr klaren Ton. Sie erklären dem Kind, was nicht in Ordnung an seinem Verhalten ist. Zur Not schicken sie es auch in die stille Ecke, damit es wieder runterkommt.

Bei Erwachsenen, besonders bei denen, die dir körperlich überlegen sind und du Angst vor Ausfällen hast, kann es das Beste sein, das Weite zu suchen. Zumindest, bis der Anfall vorbei ist.

Habe einen klaren Blick, auf die Menschen, die von ihrer Wut kontrolliert werden. Sei besonnen. Geh nicht in den Kampf. Sag der Person liebevoll: „So nicht“, wenn sie sich wieder beruhigt hat.

3. Blenden

Es gibt Leute, die kopieren deine Ideen, geben deine Leistungen als ihre aus und versuchen mit jedem Atemzug, dich zu übertrumpfen. Dabei erzählen sie jedem, der es hören möchte oder nicht, wie toll sie sind. Du selbst siehst, dass das meiste davon nicht wahr ist. Aber andere können das nicht sehen. Du selbst weißt, dass da gerade alles, was du dir erarbeitet hast, auf dem Konto der Blenderperson landet. Aber andere könenn das nicht wissen.

Was du nicht tun solltest: Auf den Konkurrenzkampf einsteigen. Und auf gar keinen Fall vor anderen Leuten versuchen, die Blenderperson bloßzustellen. In den meisten Fällen geht der Schuss genau nach hinten los, und du stehst als der Mensch da, der neidisch auf den anderen ist. Mach dir klar, dass du Leute in Loyalitätskonflikte bringen könntest, die nicht hinter die Kulissen sehen können. Frage dich immer, ob du deiner Verantwortung diesen Menschen gegenüber gerecht wirst.

Was du tun kannst, ist: Entweder, du redest unter vier Augen mit der Person und machst klar, wenn dir etwas wichtig ist. Oder – wenn sich die Vorkommnisse einfach zu oft häufen, als dass du das bewältigen kannst: Schenke es der anderen Person. Du wirst nicht dagegen ankommen, ohne dich in einem endlosen Kampf zu erschöpfen. Konzentriere dich darauf, zu tun, was dir am Herzen liegt, und nicht darauf, damit zu glänzen. Die Blenderperson wird immer versuchen, dich zu überstrahlen, aber wenn du mit dem Herzen dabei bist, wird dein Licht immer leuchten.

Hinter der dem Blenderverhalten steckt ein Mensch, der besonders viel Liebe braucht. Er hat in seinem Leben gelernt, dass er nicht gut genug ist, nicht liebenswert, wertlos.

Habe einen barmherzigen Blick auf Menschen, die blenden.

4. Lästern

Menschen, die andere schlecht machen, tun dies meist aus Konkurrenzempfinden heraus. Vielleicht haben sie Angst, nicht genug geliebt zu werden, nicht gesehen zu werden oder neben dir unterzugehen. Vielleicht fühlen sie sich unwohl, weil sie glauben, nicht selbst auch gut genug zu sein. Auch ihr inneres Kind ist verletzt. Und es möchte deins auch verletzen.

Meine Erfahrung damit ist: Auch hier ist es aussichtslos, wenn du in den Kampf gehst. Die lästernde Person ist meist viel schneller als du, und hat wesentlich mehr Energie. Du kannst diesen Kampf nicht gewinnen. Es reicht meist auch schon, wenn ein Tropfen Gift erstmal verspritzt ist. Auch, wenn es nicht wahr ist, was erzählt wird: Du wirst es in den meisten Fällen nicht wieder einholen können. Du kannst es bei Menschen richtig stellen, die dir wichtig sind, und die dich gut kennen. Für die meisten anderen wird es so aussehen, als wolltest du die lästernde Person schlecht machen oder dich für Dinge rechtfertigen, die im Grunde aber doch stimmen.

Das einzige, was du tun kannst, ist: Nichts. Du kannst nur einfach weiter geradlinig und integer weiter machen. Sei ehrlich wie du bist. Sei wunderbar wie du bist. Vertraue darauf, dass andere Menschen das sehen. Und das werden sie. Egal, wieviel Gift die lästernde Person verbreitet hat. Meine Erfahrung ist wirklich: Es mag vielleicht ein bisschen dauern. Aber der lästernde Mensch diskreditiert sich irgendwann selbst. Die Wahrheit wird sich immer durchsetzen. Dafür musst du gar nichts zun.

Habe einen vergebenden Blick auf die lästernde Person.

Liebe kostet dich nichts

Es gibt ohne Zweifel Menschen, die dir nichts Gutes wollen. Es ist wichtig, dir das klarzumachen und nicht naiv zu glauben, dass dieses automatisch nett werden, wenn du nur lieb genug zu ihnen bist. Bei manchen Menschen ist es für dich das Beste, zu wissen, was da passiert und warum sie so handeln, wie sie es tun. Im Großen und Ganzen kannst du sie zwar liebevoll betrachten, aber du solltest aber lieber Abstand halten. Bei anderen tun sich echte Chancen auf, sobald du sie – mit all ihren Spleens – liebevoll ansiehst. Manchen ist sowas nämlich noch nie im Leben passiert. Und bei manchen kann es auch wirklich passieren, dass sie Verhaltensweisen aufgeben, weil sie spüren, dass sie bei dir all ihre „schwierigen“ Verhaltensweisen, mit denen sie sich sonst schützen, auch mal ablegen dürfen. Oft ist das auch eine Erleichterung für diesen Menschen selbst. Denn immer „schwierig“ zu sein und nicht geliebt, ist anstrengend.

Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch! (Mt 7,12)